St. Gallen



.


Leserbrief zum Thema "Altersreichtum", 27. Oktober 2008

Sind die Alten privilegiert?

An der 1. Innovage Werkstatt "Alters(r)evolution“ erwähnte Frau Michel-Alder, dass die heutigen Alten über beträchtliche Einkommen und Vermögenswerte verfügen und die Alleinerziehenden zur grossen Risikogruppe der Armen zählen würden. Also: Alte Menschen dazu auffordern endlich ihren Geldbeutel zu öffnen und etwas gegen die Armut der Alleinerziehenden machen? So einfach ist es nicht. Frau Michel-Alder hat wohl recht damit, dass die Gleichung Alt gleich Arm und Krank glücklicherweise nicht mehr stimmt. Freuen wir uns darüber, dass Alter nicht mehr zwingend eine Armuts- und Krankheitsfalle ist. Umso grösser wird aber die Herausforderung, sich solidarisch zu verhalten mit Menschen, die nicht zu den Profiteuren der grossen Erbschaften gehören, mit Menschen, denen keine gute Gesundheit vergönnt ist, mit Frauen, die als Alleinerziehende keine privaten Alterssparguthaben anlegen können und in wenigen Jahren dann sicher nicht zu den reichen Alten zählen werden. Und wer weiss, vielleicht wird auch Solidarität nötig sein mit all jenen, die durch die Finanzkrise ein mittleres Vermögen verloren und deren Pensionskasseneinlagen deutlich an Wert eingebüsst haben.

Die Rede von den «reichen Alten» lenkt von der Erkenntnis ab, dass gerade im Alter die Unterschiede zwischen den Einkommensgruppen besonders gross sind. Einer äusserst wohlhabenden Minderheit steht am anderen Ende der Stufenleiter eine soziale Schicht gegenüber, die nur dank den Ergänzungs-leistungen zur AHV einigermassen über die Runden kommen kann. Zwölf Prozent der Rentnerinnen und -Rentner sind auf das zusätzliche Einkommen angewiesen, um ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können.

Damit liegt der Anteil der Unterstützungsbedürftigen in dieser Altersgruppe weit über dem Anteil an der Gesamtbevölkerung, der Sozialhilfe erhält.

Ein "Ausspielen" der Generationen (alte Reiche gegen arme Junge) führt zu nichts und verkennt die Realitäten.

Sind Alte privilegiert? Ja, viele sind es. Sind es junge auch? Ja. Sehr viele haben die grosse Chance, sich bis zum Alter von rund 30 Jahren ausbilden zu lassen und z.B. von Auslandaufenthalten zu profitieren. Die Privilegierten sind bei allen Generationen vertreten, wie auch Einschränkungen und Benachteilung in allen Generationen zu finden sind.

Pro Senectute weiss, weshalb Sammlungsgelder für alte Menschen auch heute noch notwendig sind!

Thomas Diener, Geschäftsleiter, Pro Senectute Kanton St. Gallen

 

 

Pro Senectute nimmt Stellung - Medienmitteilung vom 30.4.08

An bewährter Arbeitsteilung bei der Hilfe und Pflege zu Hause festhalten 

Pro Senectute möchte auch in Zukunft bei der Hilfe und Pflege zu Hause die Stärken des Gesundheitswesens und des Sozialwesens nutzen, um weiterhin eine fachlich gute und verlässliche Unterstützung von hilfs- und pflegebedürftigen Menschen sicher zu stellen und das zu tragbaren Kosten für Kunden und für die öffentliche Hand. 

In seiner Antrittsrede als neu gewählter Präsident des Spitex-Verbandes Kanton St.Gallen machte sich Hans Frei stark dafür, dass die Hilfe und Pflege zu Hause künftig ausschliesslich von Spitex-Vereinen angeboten werden soll ("alles aus einer Hand"). Damit schliesst er die seit rund 50 Jahren bewährte Arbeitsteilung und partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Spitex-Vereinen (ehemalige Krankenpflegevereine) und der Pro Senecute für die Zukunft aus. 

Spitex-Verband verkennt Realität

Pro Senectute tritt nicht erst seit kurzem als Anbieterin von Hilfe und Betreuung zu Hause auf, vielmehr bietet sie diese Leistung bereits seit fünfzig Jahren an. In vielen Gemeinden im Kanton St.Gallen besteht seit vielen Jahren eine gute Zusammenarbeit zwischen Spitex Vereinen, die sich schwergewichtig um die eigentliche Pflege kümmern, und Pro Senectute, die ihre Stärken in der hauswirtschaftlichen Hilfe und in der Begleitung und Betreutung hat. Rund 80% aller Kunden von Hilfe und Pflege zu Hause sind im AHV-Alter. Pro Senectute erbringt zwei Drittel aller Haushilfe-Leistungen im Kanton. Die Spitex-Vereine sind nicht in der Lage, diese Leistungen zu übernehmen.

Böswillige Unterstellungen

Sozialzeitlich engagierte Haushelferinnen bilden eine wichtige Stütze für die Bewältigung der ambulanten Grundversorgung. Hans Frei unterstellt Pro Senectute, dass unter dem Deckmantel "Sozialzeit-Engagement" wirtschaftlich schlecht gesellten Frauen ein tiefer Lohn bezahlt würde und Pro Senectute nur aus diesem Grund kostengünstiger als die Spitex-Vereine sei. Das ist eine böswillige Unterstellung und eine Abqualifizierung von rund 1700 frewilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Pro Senectute. Alleine im Bereich der Hilfe und Betreuung zu Hause setzen sich täglich rund 1000 Frauen im Kanton dafür ein, dass ältere, auf Hilfe angewiesene Menschen in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können, oft zusammen mit Krankenschwestern der Spitex-Vereine. Sie wählen dieses Engagement aus freier Entscheidung und nicht auf Grund von wirtschaftlichem Druck.

Bevormundung der Kundinnen und Kunden

Der neue Präsident des Spitex-Verbandes sieht die Lösung künftiger Probleme anscheinend in der Monopolstellung der Spitex-Vereine, was einer eigentlichen Verstaatlichgung gleich kommt. Pro Senectute hingegen setzt weiterhin auf das gute Zusammenspiel verschiedener Kräfte - von Freiwilligen und Profis, von Fachpersonen aus dem Sozial- und aus dem Gesundheitswesen - und nicht zuletzt auf die Wahlmöglichkeit von Kundinnen und Kunden der Hilfe und Pflege zu Hause. Es darf nicht vergessen werden, dass den weitaus grössten Kostenanteil für diese Leitung die Leistungsbezüger und Leistungsbezügerinnen selber tragen.

Stiftung Pro Senectute Kanton St.Gallen 

für ergänzende Auskünfte: Thomas Diener 071 227 60 06

 

Pro Senectute im Kanton St. Gallen

Die Stiftung Pro Senectute des Kantons St. Gallen ist eine Sozialorganisation

Für die Hilfe und Betreuung zu Hause erbringen professionell angeleitete Sozialzeit-Engagierte gute Leistungen zu tiefen Kosten.

Pro Senectute organisiert im Kanton St. Gallen rund 1000 Haushelferinnen für Hauswirtschaft und Betreuung. Diese sind erfahren in Alltagsbewältigung und Beziehungsgestaltung. Sie unterstützt 2200 alte Menschen beim Wohnen zu Hause. Je mehr Menschen mittragen, desto eher entsteht Solidarität in der Gemeinschaft. Ein wertvoller Einsatz für ein funktionierendes Miteinander.

Die Stiftung Pro Senectute des Kantons St. Gallen setzt sich ein für einen frei wählbaren Zugang zu Dienstleistungen des täglichen Lebens, für die Selbstbestimmung im Rahmen der Persönlichkeitsrechte und für die Mitbestimmung dort, wo die Wahlfreiheit und die Selbstbestimmung aus rechtlichen Gründen nicht oder nicht vollständig gewährleistet sind.

Pro Senectute ist seit 90 Jahren die Fachorganisation für Altersfragen. Sie verfügt über fundiertes gerontologisches Fachwissen und hat eine lange Erfahrung mit hauswirtschaftlichen und sozialen Dienstleistungen für Seniorinnen und Senioren.

Pro Senectute ist ein verlässlicher Partner und in den Gemeinden stark verwurzelt.

Zielgruppen

Als Informationsstelle für Altersfragen ist Pro Senectute offen für Personen ab AHV-Alter, für deren Angehörige und Bekannte, für Aemter und Behörden, für Sozial- und Gesundheitsorganisationen.

Die Beratung von Pro Senectute richtet sich an materiell und/oder immateriell geschwächte, benachteiligte Personen im AHV-Alter oder mit deren Einver-ständnis an die Angehörigen und an gesetzliche Vertreterinnen und Vertreter.

Die Hilfe und Betreuung zu Hause (Spitex-Dienstleistungen, administrative Hilfen, Alltagsassistenz, Mahlzeitendienst usw.) richtet sich an Personen im AHV-Alter und orientiert sich bedarfsgerecht an den Erfordernissen der ambulanten Grundversorgung.

Die Angebote für Begegnung und Austausch (Gruppen und Kursangebote) sind offen ab Alter 55. Pro Senectute realisiert Begegnungs- und Austauschmöglichkeiten, welche der sozialen Integration und der Vernetzung von älteren Menschen dienen und damit präventiv wirken.

Organisation
Stiftung Pro Senectute im Kanton St. Gallen:


• Präsident des Stiftungstrates: Dr. Christoph Bürgi, Rechtsanwalt, St. Gallen
• Vizepräsident: a. Regierungsrat Hans Rohrer, Buchs
• Geschäftsstelle: Thomas Diener, Geschäftsleiter, St. Gallen

Acht Regionalstellen sorgen dafür, dass die Pro Senectute-Dienstleistungen
kundennah erbracht werden können.

 

Für Autonomie im Alter

Die Pro Senectute des Kantons St. Gallen thematisiert in ihrem Jahresbericht Altersarmut, Sozialzeit- Engagement und partnerschaftliche Zusammenarbeit.

Viele alte Menschen sind finanziell gut abgesichert. Doch es gibt auch eine andere Realität: 15 Prozent sind von Armut betroffen, Tendenz steigend. Dies erlebt die Pro Senectute in ihrer täglichen Arbeit. Um individuelle Not zu lindern und Sozialhilfeabhängigkeit zu vermeiden, hat die Pro Senectute des Kantons St. Gallen im letzten Jahr 480'000 Franken Nothilfe an 288 Personen ausbezahlt.

Etwa 1700 Menschen, vorwiegend Frauen, leisten für die Pro Senectute des Kantons St. Gallen rund 230'000 Arbeitsstunden zugunsten alter Menschen. 230'000 Stunden entfallen auf Hilfe und Betreuung, 17'000 auf administrative Dienste, Gruppen- und Kursleitungen, Besucherdienste, Treuhanddienste usw.

Sozialzeit-Engagement ist eine Form honorierter Freiwilligenarbeit. Dazu der Geschäftsstellenleiter Thomas Dienser: "Ob Haushelferinnen, Kursleiter oder Stiftungsrätinnen: Das Sozialzeit-Honorar ist für alle gleich hoch und in der Regel etwas tiefer als in der Erwerbsarbeit. Dafür verfügen die Mitarbeitenden über grosse Freiheiten in der Einteilung ihrer Arbeitszeit. Die meisten sind in kleinen Pensen tätig, ihre hohe Motivation wirkt sich spürbar auf die Arbeit aus."

60 Prozent der Engagierten sind älter als 55 Jahre. Dadurch entsteht eine eigentliche Win-Win-Situation: Menschen der dritten Generation finden neue Kontakte in einer sinnstiftenden Tätigkeit. Gleichzeitig entstehen gute und kostengünstige soziale Netze. Deshalb möchte die Pro Senectute noch mehr Personen ab 60 für Sozialzeit-Einsätze gewinnen.

Nachdem die Bundessubventionen künftig wegfallen, sind die Gemeinden verpflichtet, mit den Anbietern von Hilfe und Pflege zu Hause Leistungsvereinbarungen abzuschliessen. Die Pro Senectute strebt eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den auf die eigentliche Pflege konzentrierten Spitexvereinen an. Pro Senecute hat ihre Stärken in der hauswirtschaftlichen Unterstützung und in der Begleitung und Betreuung. Sie leistet damit einen Beitrag zur Gewährleistung der Autonomie der alten Menschen.

Hans Rohrer, Vize-Vorsitzender der SPB

 

 

 
 

Keine News in dieser Ansicht.